Samstag, 15. Februar, 20 Uhr: Heidenheim

Kammerkonzert des Heidenheimer Förderverein für Neue Musik e.V.

  Brian Ferneyhough Prometheus
phonophobie
  Vinko Globokar Discours VIII
 

  Erhard Karkoschka Antinomie
  Alexander Grebtschenko KT-724s UA
  Mathias Spahlinger phonophobie
     

phonophobie 2


Flöten:

Liz Hirst
Oboe, Englischhorn:

Bettina Crimmins

Oboe:
Ann Blackburn
Klarinetten:
Andrea Nagy
Fagott:
Óscar Garrido de la Rosa
Dirigent:
Manuel Nawri


Der Titel KT-724s bezeichnet einen Klicktrack (engl. clicktrack), d.h. ein meist computergeneriertes Metronom-Klicken. Ein Klicktrack dient dazu Synchronität zwischen Interpret und beispielsweise einem Ton- oder Videoband zu erreichen. Er wird in der Regel per Kopfhörer zugespielt und ist dann für den Zuhörer versteckt.
In "KT-724s" ist dieses zeitliche Steuerorgan nicht nur für die Interpreten, sondern auch für das Publikum hörbar. Dazu kommt als weiteres Steuerungsorgan der Dirigent. Diese beiden Zeitgeber treffen sich nur am Anfang und an einigen weiteren Schaltstellen (immer dort, wo das Wort "anpassen" durch eine computersynthetisierte Stimme erklingt). Der Konflikt zwischen den zwei Zeitgebern entsteht nicht nur durch ihre Asynchronität, sondern auch dadurch, dass der Dirigent Ausdruck vermittelt. Der Klicktrack dagegen gibt nur das Zeitraster.
Die musikalischen Mittel sind sehr reduziert: es gibt nur wenige Tonhöhen und Lautstärken, die über längere Strecken unverändert bleiben. Daher tritt nicht der Inhalt, sondern die Kontrolle über den Inhalt in den Vordergrund. Eigenleben entfaltet dies durch die Ungenauigkeiten, die als Nebeneffekt der fast zum Selbstzweck gewordenen Steuermechanismen auftreten.

Phonophobie sucht die subjektive Erfahrung der 'Furcht, positiv zu werden' (Hölderlin) zu begreifen: als Lähmung zwischen einerseits 'reiner Negation' (Hegel), die ihren Gegenstand nicht berührt und darum unmittelbar in Positivität umschlägt, sowie anderersetits reflexhafter Suche nach neuen positiven Aussichten. Spahlingers Komponieren liefert zugleich die 'Bedingungen und Widerstände' (Lachenmann) des Prozesses. Das meint die mechanischen der Klangerzeugung ebenso wie die des Komponierens. Spahlingers Ansatz ist erkenntniskritisch:
"Reflexion der Bedingungen des Denkens/Komponierens unter ebendiesen Bedingungen verlangt, ohne Apodiktik auszukommen".