Dienstag, 15. Juli, 20 Uhr: Stuttgart

Komponistenporträt Erhard Karkoschka
anlässlich seines 80. Geburtstages

Bläserensemble und Orgelmusik

Kommentare des komponisten, stichwortartig:

Bläsergedichte allgemein: In den Teilen Prolog, Monopart, Ode und Limerick sind Gedicht-Metren melodisiert, die in der Tripelgedichtfuge mehr oder weniger fugenartig durchgeführt werden.

Prolog: den altgriechischen Hexameter-Pentameter spielen alle zuerst in denselben Tonhöhen, aber in verschiedenen Tempi. Allmählich gleichen sich die Tempi an, bis alle im gleichen Tempo spielen.

Monopart: altrömischer Saturnier: Tempo- und Instrumentwechsel ungefähr nach jedem Vers.

Die Ode tritt als Nibelungenstrophe im gespreizten unisono unangenehm protzig auf, (wird später bescheidener, vor Schluß ziemlich nachdenklich.) Hier spielen alle im gleichen Tempo, aber in verschiedenen Taktmetren (2/4, 3/4 und gemischt=.

Der Dialog hin zu einem Sonett: ungefähre Dauern, schwebt in Emotionen und farbigen Klängen.

Das italienische Sonett: keine Metren, deutet nur die Formierung der Strophen durch verschiedene Tempi an.

Der englische Limerick, zuerst im genauen Metrum, teilt dann dieses auf hohe und tiefe Instrumente auf, verfällt in ein leichtfertiges Trio und lässt die Klarinette ohne Pause in die

Tripelgedichtfuge marschieren. In ihren "Durchführungen" sind die einzelnen Instrumente rhythmisch ganz selbständig, mit eigenen, auch triolischen, quintolischen und aleatorischen Zählzeiten. Und da die "Themen" (=Metren) öfter die Oktavlagen wechseln, bekommen Zeitwerte, also Rhythmen und Tempi, eher mehr Bedeutung als Tonhöhen - und das gilt für das ganze Werk.

karkoschka geburtstag
Flöte:
Oboe:
Klarinette:
Fagott:
Horn:
Dirigent:

Liz Hirst
Bettina Crimmins
Andrea Nagy
Óscar Garrido de la Rosa
Victoria Tafferner
Manuel Nawri

Antinomie Grundidee: Sprache in vier Stufen zu musikalischem Material zu machen und - quasi zugleich - diesen Prozess umkehren. Die quasi-Gleichzeitigkeit entsteht dadurch, dass zwischen die Stufen des ersten Prozesses jeweils eine des umgekehrten gestellt wird. Schema: Großbuchstaben = hin, Kleinb.= umgekehrt. A-d-B-c-C-b-D-a. Der formale Reiz besteht darin: zwischen A und d versteht man beim ersten Hören fast überhaupt keinen Zusammenhang, ebenso zwischen d und B, von B zu c ahnt man einig und c zu C ist eine sehr deutliche Reprise. Die Deutlichkeit der Reprisen nimmt dann zwar ab, doch das Verständnis der Prozesse zu. Der in A und a gesprochene Text erklärt, was mit ihm selbst geschieht. Freilich ist das Verhältnis von Musik und Sprache kein antinomisches, wohl aber eignet sich der Klang von "antinomie" gut für das Vorhaben - ohnehin ist die Komposition zwar technisch ernst angegangen, aber inhaltlich an allen Ecken und Enden gar nicht ernsthaft.

Herzlichen Glückwunsch von chronophonie an das glückliche Geburtstagskind!